Was ist die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)?

Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts ist die einfachste Form der Personengesellschaft. Sie besteht aus mindestens zwei natürlichen oder juristischen Personen, die sich zur Erreichung eines gemeinsamen legalen Geschäftszwecks zusammenschließen.

Wie gründe ich eine GbR?

Eine GbR zu gründen, ist sehr einfach und erfordert auch keine bestimmte Geldeinlage, daher wählen viele Gründer bevorzugt diese Unternehmensform. Eine GbR kann sozusagen ganz „von allein” entstehen, was vielen Gründern gar nicht bewusst ist. Tun sich zwei oder mehrere Personen zusammen und verfolgen einen gemeinsamen Zweck, ist das bereits eine GbR.

Zur Gründung ist auch ein Gesellschaftervertrag erforderlich. Der kann zwar mündlich formuliert sein – rein rechtlich reicht das aus – eine schriftliche Fixierung des Geschäftszwecks und weiterer Vereinbarungen zwischen den Gesellschaftern ist aber durchaus empfehlenswert.

Zwei Gesellschafter und ein Vertrag bilden eine GbR
Was ist die Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)?  ©microtech 2017

GbR – rechtliche Besonderheiten

Rechtsform
Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts ist keine Firma im Sinne des Handelsgesetzbuches (HGB) und sie wird auch nicht ins Handelsregister eingetragen. Firmen im Sinne des HGB gem. § 17 Abs. 1 HGB sind nur Kaufleute beziehungsweise Handelsgesellschaften. Wenn eine GbR ein Handelsgewerbe betreibt, wird sie dadurch im Regelfall zu einer Offenen Handelsgesellschaft (OHG).

Eine Ausnahme bilden hier Kleingewerbetreibende, da diese grundsätzlich nicht als Kaufleute im Sinne des HGB gelten. Die Aufnahme eines Kleingewerbes im Rahmen einer GbR ist in dieser Form also ausnahmsweise möglich.

Einfache Buchführung
Da die Gesellschaft bürgerlichen Rechts nicht als Gewerbebetrieb gelten kann (keine Kaufleute), ist sie auch nicht den Regeln des Handelsgesetzbuchs (HGB) zur doppelten Buchführung unterworfen. Sie darf eine einfache Buchführung mit Einnahme-Überschuss-Rechnung (EÜR) durchführen.

Geschäftsführung und Haftung
Alle Gesellschafter einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts haften grundsätzlich gesamtschuldnerisch. Im Außenverhältnis haftet demzufolge jeder Gesellschafter unbegrenzt für alle Verbindlichkeiten der GbR, gegebenenfalls eben auch mit seinem Privatvermögen.
Im Innenverhältnis können unter den Gesellschaftern Rückforderungsansprüche (Regress) vereinbart werden. Wurde keine vertragliche Regelung getroffen, haften alle Gesellschafter zu gleichen Teilen. Die Haftung gegenüber Dritten zu beschränken ist nur dann möglich, wenn dies individuell mit dem jeweiligen Vertragspartner vereinbart wurde. Eine pauschale Haftungsbeschränkung ist nicht möglich.

Gewinn und Verlust
Wenn im Gesellschaftsvertrag nichts anderes festgelegt ist, erhält jeder Gesellschafter unabhängig von der Größe seines Geschäftsanteils den gleichen Anteil am Gewinn oder Verlust (§ 722 BGB). Ist im Gesellschaftsvertrag lediglich der Anteil am Gewinn oder am Verlust bestimmt (§ 722 Abs. 2 BGB), so gilt diese Anteilsregel dann für beide. Grundsätzlich kann aber im Gesellschaftsvertrag davon abweichend frei vereinbart werden, dass der Gewinn oder Verlust z.B. nach den jeweiligen Kapitalanteilen verteilt wird.

Gewinn und Verlust verteilen sich gleich auf die Gesellschafter | microtech.de

Gewinn und Verlust in einer GbR ©microtech 2017

Mögliche Vor- und Nachteile einer GbR

Vorteile einer GbR

  1. Unkomplizierte Form der geschäftlichen Partnerschaft
  2. Einfache Gründung
  3. Kein Mindestkapital vorgeschrieben
  4. Formfreier schriftlicher oder mündlicher Gesellschaftsvertrag
  5. Einfache Buchführung per EÜR
  6. Sehr angesehen bei Kreditinstituten durch persönliche Haftung der Gesellschafter

Nachteile einer GbR:

  1. Gesamtschuldnerische Haftung der Gesellschafter
  2. Kein Gewerbebetrieb möglich (Ausnahme: Kleingewerbe)
  3. Einstimmige Beschlussfassung nötig
  4. Private Besteuerung der Gewinne

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Datum: 29.07.2016
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