Was ist Business Process Reengineering (BPR)?

Bei der Umstrukturierung von Geschäftsprozessen wird grundsätzlich zwischen sanften und radikalen Methoden unterschieden. Das BPR gilt als bekannteste radikale Methode der Umstrukturierung und gliedert sich in den Werkzeugkasten der Prozessoptimierung ein. Daher ist das Business Process Reengineering (BPR) die erste Wahl, wenn es darum geht, Geschäftsprozesse fundamental neu zu gestalten.

Definition: Was genau ist Business Process Reengineering?

Business Process Reengineering befasst sich mit dem Ansatz, mit welchem ein Unternehmen von einer funktionalen hin zu einer prozessorientierten Organisation transformiert werden soll. Sie legt den Fokus auf die wichtigsten Prozesse eines Unternehmens und orientiert sich bei der Optimierung an einer stetigen Kundenausrichtung. Einen weiteren Fokus legt das BPR auf die Kernkompetenzen des Unternehmens.

Zusammenfassend kann man definieren, dass die besagte Prozessmethode auf vier Grundaussagen beruht:

  • Das Business Process Reengineering orientiert sich an den kritischen Geschäftsprozessen.
  • Sämtliche Geschäftsprozesse richten sich auf Kundenbedürfnisse aus.
  • Das Unternehmen konzentriert sich auf seine Kernkompetenzen.
  • Aktuelle Informationstechnologien unterstützen die Prozesse.

BPR kann nur erfolgreich sein, wenn alle Grundaussagen berücksichtigt sind. Es nützt dem Unternehmen beispielsweise nichts, wenn es sich auf seine Kernkompetenz konzentriert und dabei seine Kunden außer Acht lässt.

Die hier beschriebene Methode sollte keinesfalls isoliert Anwendung finden. Vielmehr kommt es zu einer kombinierten Verwendung mehrerer Methoden. So kann man BPR, eingebettet in das Total Quality Management, dazu verwenden, den aktuellen Nachholbedarf des Unternehmens schnell zu beheben. Um anschließend wieder mit dem kontinuierlichen Verbesserungsprozess (KVP) fortzufahren.
 

Wie funktioniert das Business Process Reengineering?

Das Business Process Reengineering läuft im Wesentlichen in vier aufeinanderfolgenden Phasen ab. Nach dieser Definition von Michael Hammer und James Champy steht der Kunde im Mittelpunkt. Anzustreben ist eine Optimierung von mehr als 30% der Zielgrößen Qualität, Zeit, Kosten und Service.
 

Grafik von Business Process Reengineering | microtech.de

Wie funktioniert das Business Process Reengineering? © microtech GmbH
  1. Erneuerung (Renewing): In der ersten Phase sind die Mitarbeiter des Unternehmens in den Prozess einzubinden. Hierbei finden Schulungen für die Mitarbeiter statt, um Sie organisatorisch gezielter in den Unternehmensprozess einzubinden. Dies dient als Grundlage für die zweite Phase.
  2. Revitalisierung (Revitalizing): In der nächsten Phase betrachtet das BPR die Prozesse. Hierbei findet eine Prozessanalyse statt und ein IST-Stand wird skizziert, um ein Potential für die Optimierung zu erkennen. Gleichzeitig sind Kernprozesse zu identifizieren und im BPR auszuwerten. In einem weiteren Schritt entsteht ein SOLL-Konzept, welches die bestehenden Prozesse umstrukturiert und optimiert.
  3. Einstellungsänderungen (Reframing): Die dritte Phase im BPR beschreibt die Anpassung der vorherrschenden Denkmuster der Mitarbeiter. Neue Methoden und Einstellungen werden im Unternehmen etabliert.
  4. Restrukturierung (Restructuring): Abschließend kommt es zur Umsetzung der neu gestalteten Prozesse. Des Weiteren ist eine Überwachung der Zielerreichung notwendig, um gegebenenfalls Anpassungen vornehmen zu können.

Die vier beschriebenen Phasen kann das BPR in weitere Phasen untergliedern. Diese können entstehen, wenn das Unternehmen das BPR individuell auf die Bedürfnisse der Organisation anpasst. 

Vor- und Nachteile von BPR

Ob das BPR in der eigenen Organisation Anwendung finden sollte, muss jedes Unternehmen für sich entscheiden. Grundsätzlich bietet diese Prozessmethode zahlreiche Vorteile:

  • Kundenorientierung im Mittelpunkt.
  • Verwendung von neuen Informations- und Kommunikationstechniken.
  • Betrachtung der Prozesse als Gesamtheit.
  • Senkung von Durchlaufzeiten und Kosten bei gleichzeitiger Steigerung der Qualität.
  • Verringerung von Schnittstellenproblemen, da sich die Organisation von einer funktionalen in eine prozessorientierte Struktur wandelt.
  • Ganzheitliche Betrachtung des Unternehmens inklusive der Einstellung der Mitarbeiter.

Neben den zahlreichen Vorteilen sind mit der Durchführung des Business Process Reengineerings auch einige Risiken verbunden:

  • Gut funktionierende Strukturen muss man eventuell aufbrechen.
  • BPR führt häufig zu großem Personalabbau.
  • Es kann zu Widerständen bei den Mitarbeitern kommen.
  • Die Prozessphasen des BPR dauern lange – Erfolge sind daher meistens erst spät zu erkennen.
  • Die Prozessorientierung ist nicht für jedes Unternehmen sinnvoll.

Fazit zum Business Process Reengineering

Aufgrund der genannten Risiken ist zu empfehlen, die Durchführung der Prozessmethode im Vorfeld detailliert zu prüfen. Das Business Process Reengineering ist eine radikale Methode, um Prozesse und Denkmuster des Unternehmens zu verbessern. Das vorhandene Potenzial der Organisation lässt sich freilegen und im Ganzen nutzen. Möchten Sie BPR jetzt auch in Ihrem Unternehmen anwenden, sollte Sie es unbedingt mit anderen Methoden kombinieren. Verpackt in einem kompletten Prozess im Rahmen der Prozessoptimierung kann Ihnen das BPR viele Vorteile bieten.

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Datum: 18.04.2017
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