Zahlungsziel auf Rechnungen: Welche Zahlungsfristen können dem Kunden eingeräumt werden?

Von: Extern |
Datum: 25.08.2016

Die Zahlungsfrist einer Rechnung beschreibt den Zeitraum, den der Rechnungssteller zur Fälligkeit der Rechnung gewährt. Das Zahlungsziel liegt dabei in der Zukunft und stellt so einen kurzfristigen Kredit dar, beispielsweise bei einem Rechnungskauf.

Zahlungsziel | Prozessablauf vom Zahlungsziel
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In der heutigen Warenwirtschaft ist Zahlung auf Rechnung eine übliche Zahlungsweise. Gerade im Hinblick auf die steigende Beliebtheit des Onlinehandels bzw. Versandhandels gewinnt diese Zahlungsvariante an Bedeutung, da sie bequem und risikofrei ist.

Durch die breite Verfügbarkeit des Internets kann die Onlinebestellung von jedem Ort aus getätigt werden. Auch wenn eine Firma zur Rechnungsstellung ein Rechnungsprogramm verwendet, kann für den Unternehmer die Frage von Interesse sein, welche Zahlungsfristen dem Kunden eigentlich eingeräumt werden müssen.

Was ist die gesetzliche Zahlungsfrist einer Rechnung?

Bei Zahlung auf Rechnung kann als Frist für den Erhalt der Zahlung jeder Ersteller einer Rechnung angeben, wann er sein Geld spätestens erhalten möchte. Üblich sind 14 Tage, es kann aber auch eine kürzere, eine längere oder gar keine Frist genannt werden. Wenn ein Unternehmer auf seiner Rechnung keine Frist erwähnt, gilt die gesetzliche Zahlungsfrist laut BGB (Bürgerliches Gesetzbuch). Hierbei gilt grundsätzlich: Eine Rechnung wird immer sofort fällig. “Fälligkeit” heißt: Wenn der Empfänger einer Rechnung bis zu diesem Zeitpunkt nicht zahlt, befindet er sich in Verzug. Jedoch räumt der Gesetzgeber dem Kunden eine Verlängerung ein. Denn der Kunde kann laut Gesetz auch noch 30 Tage nach Fälligkeit die Rechnung bezahlen. Erst danach befindet er sich im Zahlungsverzug und kann angemahnt werden. Wenn Ihnen diese Zeit zu lang oder zu kurz erscheint, können Sie gemeinsam mit Ihrem Kunden auch individuelle Vereinbarungen bezüglich der Zahlungsfristen treffen.

Zahlungsfrist bei Handwerkerrechnungen

Für eine Handwerkerrechnung gilt ebenfalls wie beim Rechnungskauf eine gesetzliche Zahlungsfrist von 30 Tagen. Die Abrechnung erfolt in aller Regel nach der erbrachten Dienstleistung. Die Zahlungsfrist kann allerdings wie beim Rechnungskauf auch auf 14 (oder gegebenenfalls) beliebig viele Tage festgelegt werden.

Welche Zahlungsfristen müssen Sie einräumen?

Aus dem oben Gesagten ergibt sich, dass es keine gesetzliche Zahlungsfrist in dem Sinne gibt, dass der Warenwirtschaft Vorgaben für das Zahlungsziel gemacht werden. Von daher können Sie bei einem Rechnungskauf mit Ihrem Kunden vereinbaren, was Sie möchten.
Mit einem Rechnungsprogramm ist die Rechnungsstellung kinderleicht. Lesen Sie dazu hier weiter: Rechnungsprogramm oder Word und Excel

Fälligkeit der Zahlung | microtech.de
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Wann beginnt die Frist?

Bei Zahlung auf Rechnung beginnt die Frist mit dem Erhalt der Ware (üblicherweise nebst Warenrechnung) zu laufen. Wenn nicht klar ist, wann der Kunde diese erhalten hat, gilt eine fiktive Frist von drei Werktagen ab Versanddatum bei Briefsendungen. Bei Waren- und Büchersendungen kann nach spätestens sieben Tagen von einer Zustellung ausgegangen werden.

Wann läuft die Frist ab?

Wann eine Frist abläuft, richtet sich nach den Vorschriften des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB), namentlich dem § 188 BGB. Diesem zufolge endet eine Frist bei einem Rechnungskauf mit dem Ablauf des letzten Tages der Frist. Als Beispiel: Dem Kunden ist die Warenrechnung an einem Montag, dem 01.08. zugegangen. Als Zahlungsziel wurden 14 Tage genannt. Bis zum Ende des 15.08. müsste Ihr Kunde die Zahlung geleistet haben, wenn sie fristgerecht sein soll. Sollte das Fristende auf einen Samstag, Sonntag oder auf einen Feiertag fallen, endet die Frist erst am darauffolgenden Werktag (§ 193 BGB).

Was passiert, wenn die Zahlungsfrist ergebnislos verstreicht?

Jeder in der Warenwirtschaft Tätige kennt natürlich auch den Fall, dass ein Kunde das Zahlungsziel nicht ernst nimmt. In diesem Fall können Sie Ihrem Kunden eine freundliche Erinnerung schicken und ihn auf die Fälligkeit aufmerksam machen. Oft reicht das für den Kunden schon aus, um die Rechnung zu bezahlen. Auch diese Tätigkeit kann mit einem Rechnungsprogramm erledigt werden.  Reagiert der Kunde nicht auf den Reminder, können Sie eine Mahnung verschicken.

Pünktlichkeit spart bares Geld

Als Unternehmer sind Sie zur Umsatzsteuervoranmeldung verpflichtet; sofern Sie kein Kleinunternehmer sind. Hat Ihr Kunde seine Rechnung noch nicht beglichen, müssen Sie im suboptimalsten Fall Geld an das Finanzamt abführen, das noch gar nicht auf Ihrem Firmenkonto eingegangen ist. Achten Sie daher darauf, dass Sie Ihr Geld rechtzeitig erhalten. Beziehungsweise mahnen Sie rechtzeitig, damit Sie nicht bei der Umsatzsteuervoranmeldung draufzahlen. Mit unserer ERP-Software automatisieren Sie den Versand von Rechnungen oder Mahnungen, sparen dadurch Zeit und Geld und müssen nicht ständig Ihren Workflow unterbrechen.

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10 Kommentare auf “Zahlungsziel auf Rechnungen: Welche Zahlungsfristen können dem Kunden eingeräumt werden?”

  • Thomas Mundry sagt:

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich bin Freelancer und zeichnet sich ab, dass der Geschäftsführer das in dem Vertrag unterzeichnete Zahlungsziel von 10 Tagen nicht einhalten wird. Was sind Next Steps bezüglich Erinnerungsschreiben, 1.Mahnung etc….und mit welchen Fristen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Thomas M.

    1. Jens Szabelski sagt:

      Hallo Herr Mundry,

      sollte die Zahlungsfrist verstrichen sein und Ihr Kunde hat bis dato nicht bezahlt, empfiehlt es sich im ersten Schritt ihm eine freundliche Zahlungserinnerung zukommen zu lassen, in der Sie ihm eine erneute Frist von 10 Tagen zur Begleichung seiner Verbindlichkeiten setzen.

      Sollte er diese Frist wieder verstreichen lassen, können Sie Ihm die erste Mahnung mit einer erneuten Frist von 10 Tagen schicken.
      Empfehlung: Formulieren Sie die Überschrift „1.Mahnung“ in fettgedruckten Buchstaben, um die Mahnung als solche deutlich kenntlich zu machen und dem Schreiben Ausdruck zu verleihen.

      Weitere Mahnungen sind aus rechtlicher Sicht nicht notwendig. Verstreicht die erste Mahnung ergebnislos, wird es wahrscheinlich auch die zweite und dritte. In diesem Fall ist zu empfehlen, rechtlichen Beistand zu Rate zu ziehen, sprich einen Anwalt zu kontaktieren.

      Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende!

      Mit freundlichen Grüßen
      Jens Szabelski

      Anmerkung: Alle Informationen und Angaben sind nach bestem Wissen zusammengestellt und erfolgen ohne Gewähr. Diese Information kann eine individuelle Beratung bei Ihrem Rechtsbeistand nicht ersetzen.

  • Franziska Siemers sagt:

    Hallo,

    ich selbst arbeite mit einem Dienstleister zusammen. Ich habe gerade die Rechnung aus November 2017 erhalten (nach unserem Jahresabschluss sehr unschön und außerdem im Nachgang nun auch sehr schwer zu prüfen, da bereits 3 Monate her).
    Auf der Rechnung steht ein Zahlunsziel “Sofort”. Was für eine Dauer wäre das denn? Wir erhalten meist nach max. 10 Tagen bereits eine 1. Mahnung.

    Wie kann ich mit diesem Dienstleister umgehen? Was kann ich hier als Unternehmen festlegen?
    Wir arbeiten mit dem Dienstleister bereits seit 10 Jahren zusammen, haben uns aber jetzt erst dem Thema der Rechnungsprüfung erneut angenommen.

    Viele Grüße

    Franziska Siemers

    1. Jens Szabelski sagt:

      Hallo Frau Siemers,

      das Zahlungsziel „Sofort“ bedeutet, dass die Zahlung umgehend geleistet werden muss. Allerdings ist es üblich, dem Schuldner einen gewissen Zeitraum zum Begleichen der Rechnung zu geben. Daher ist es nicht ungewöhnlich eine Mahnung schon am 10. Tag nach Rechnungseingang zu erhalten. Theoretisch würden Sie nach dem Zahlungsziel „Sofort“ schon nach dem ersten Tag in Verzug geraten, sofern die Rechnung nicht beglichen ist.

      Da Sie aber schon so lange mit ihrem Dienstleister zusammenarbeiten, empfiehlt es sich mit diesem das Gespräch zu suchen und ein für Sie zukünftig passendes Zahlungsziel zu vereinbaren.

      Mit freundlichen Grüßen
      Jens Szabelski

      Anmerkung: Alle Informationen und Angaben sind nach bestem Wissen zusammengestellt und erfolgen ohne Gewähr. Diese Information kann eine individuelle Beratung bei Ihrem Rechtsbeistand oder Ihren Steuerberater nicht ersetzen.

  • Gast sagt:

    Klingt plausibel, aber wie verhält es sich, wenn in den AGB steht “zahlbar innerhalb von 14 Tagen nach Erhalt der Rechnung” und man keine Rechnung erhält???
    Beginnt die Frist dann überhaupt zu laufen oder richtet sie sich dann automatisch nach Erhalt der Ware?

    1. Jens Szabelski sagt:

      Hallo,

      nein die Frist beginnt nicht mit dem Erhalt der Ware. Solange Sie keine Rechnung erhalten haben, kann die Frist zum Begleichen der Rechnung nicht in Kraft treten.

      Mit freundlichen Grüßen
      Jens Szabelski

      Anmerkung: Alle Informationen und Angaben sind nach bestem Wissen zusammengestellt und erfolgen ohne Gewähr. Diese Information kann eine individuelle Beratung bei Ihrem Rechtsbeistand oder Ihren Steuerberater nicht ersetzen.

  • Nana Anin sagt:

    Hallo
    wenn ich eine mahnung bekomme mit dem zahlungsziel umgehend wann genau verstreicht diese frist?
    schlisslich renne man nicht direkt jene minute nach erhalt zum nächsten bankschalter oder ist nicht in der lage zu.

    1. Jens Szabelski sagt:

      Hallo,
      wenn Sie bereits eine Mahnung erhalten haben, lässt das darauf schließen, dass Sie bereits die ursprüngliche Zahlungsfrist verstreichen ließen. Daher würde ich Ihnen empfehlen, die Rechnung so schnell es Ihnen möglich ist zu begleichen. Sollte Ihnen das nicht möglich sein, nehmen Sie Kontakt mir dem Gläubiger auf. Eventuell können Sie neue Zahlungsbedingungen verhandeln, um weiteren Mahnungen zu entgehen.

      Mit freundlichen Grüßen
      Jens Szabelski

      Anmerkung: Alle Informationen und Angaben sind nach bestem Wissen zusammengestellt und erfolgen ohne Gewähr. Diese Information kann eine individuelle Beratung bei Ihrem Rechtsbeistand oder Ihren Steuerberater nicht ersetzen.

  • Christian Kirchen sagt:

    Hallo Herr Szabelski,

    danke dass Sie sich hier die Zeit nehmen und so detailliert auf Fragen eingehen. Ich würde mich freuen, wenn Sie auch auf meine Frage eine Antwort wüssten:

    Auf meinen Rechnungen vermerke ich “Zahlbar innerhalb von 14 Tagen”. Mein Auftraggeber sagt aber “Wir haben gegenüber externen Dienstleistern ein Zahlungsziel von 20 Werktagen” – das ist ja sehr schön, aber gilt das auch? Wer hat hier den Trumpf, wer sticht hier wen? Bedingungen des Leistenden oder Bedingungen des Leistungsempfängers?

    Vielen Dank für Ihre Einschätzung der Lage!

    1. Jens Szabelski sagt:

      Hallo Herr Kirchen,

      vielen Dank für die netten Worte. Gerne nehme ich mir auch Zeit für Ihre Frage 🙂

      Grundsätzlich ist die Dauer des Zahlungsziels eine vertraglich freie Vereinbarung zwischen Leistungserbringer und Leistungsempfänger.

      Es gilt daher immer das Zahlungsziel, welches zum Zeitpunkt der Auftragserteilung vereinbart wurde.

      Daher ist es dem Leistungsempfänger nicht möglich die Zahlungsfrist im Nachhinein einfach zu ändern, da dieser mit der Auftragserteilung Ihre Vertragsbedingungen akzeptiert hat.

      Ich hoffe, ich konnte Ihnen helfen und Sie kommen zu einer schnellen Einigung.

      Mit freundlichen Grüßen
      Jens Szabelski

      Anmerkung: Alle Informationen und Angaben sind nach bestem Wissen zusammengestellt und erfolgen ohne Gewähr. Diese Information kann eine individuelle Beratung bei Ihrem Rechtsbeistand oder Ihren Steuerberater nicht ersetzen.

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