Stückliste – Aufbau, Arten und Verwendung

Datum: 11.07.2017 | von: Jens Szabelski

Stückliste | Computerteile | microtech.de

Stücklisten sind in vielen Branchen kaum wegzudenken. Die vielseitigen Listen helfen, den Überblick zu behalten und Produktionsprozesse zu steuern. Wie die Stücklisten zum Einsatz kommen und welche es überhaupt gibt, erfahren Sie im nachfolgenden Artikel.

 

 

Was ist eine Stückliste?

Bei einer Stückliste handelt es sich um eine Zusammenfassung sämtlicher Einzelteile mit entsprechenden Mengenangaben, die für die Produktion des jeweiligen Produktes benötigt werden. Die einfachste Form zur Darstellung wird als fortlaufende Stückliste oder Mengenstückliste bezeichnet. Grundsätzlich gliedern Stücklisten die Erzeugnisse in ihre einzelnen Bestandteile auf. Im Umkehrschluss wird mit einem Verwendungsnachweis festgestellt, in welchen Erzeugnissen die einzelnen Bestandteile enthalten sind.

 

Wo kommt die Stückliste zum Einsatz?

Als Arbeitsvorbereitung werden Stücklisten meist in der Konstruktionsabteilung eines Unternehmens angefertigt und zur weiteren Verteilung den entsprechenden Abteilungen zur Verfügung gestellt. Die Stückliste enthält wichtige Informationen zu Datenstrukturen, da in ihnen festgehalten wird, aus welchen Teilen und Baugruppen sich das Endprodukt zusammensetzt. Sie bilden also die Basis für die komplette Beschaffung und Bedarfsermittlung. Daher findet man Stücklisten vorwiegend in den folgenden Anwendergruppen oder Bereichen:

  • Konstruktion
  • Arbeitsvorbereitung
  • Einkauf
  • Kalkulation
  • Materialdisposition
  • Lager
  • Entwicklung
  • Fertigung
  • Bedarfsplanung
  • Beschaffung
  • Ersatzteilwesen
  • Qualitätssicherung

 

Folgen fehlerhafter Stücklisten

Üblicherweise bekommen Abteilungen nur die Informationen einer Stückliste zugeteilt, die für sie relevant sind. Daraus resultiert eine Mehrfachspeicherung im Unternehmen, die zur Fehlerquelle werden kann. Im schlimmsten Fall kann es so bei dem zu produzierenden Produkt zu Fehlern im Konstruktionsprozess kommen. Diese verursachen unnötige Kosten und Zeitverzögerungen. In diesem Zusammenhang ist es daher empfehlenswert, auf integrierte Stücklisten zurückzugreifen und zentral zu arbeiten. Das heißt alle Abteilungen arbeiten mit der gleichen Datenbasis und profitieren von dem durchgängigen Stücklistenprozess. ERP-Systeme unterstützen diese Funktion in der Regel und helfen dabei, den Überblick zu behalten.

 

Welche Arten von Stücklisten gibt es?

Es gibt diverse Arten von Stücklisten die sich vor allem in ihrer Funktion bzw. dem Anwendungsbereich unterscheiden. Die gängigsten darunter sind:
 

Mengenstückliste

  • Einfachste Form einer Stückliste
  • Unbestimmte Auflistung der Produktbestandteile
  • Keine weiterführende Darstellung der Zusammensetzung des Produktes

 

Strukturstückliste

  • Bestandteile des zu produzierenden Produktes nach Fertigungsstufen
  • Mengen und Materialien nach Fertigungsstufe deklariert

 

Baukastenstückliste

  • Reduktion der Stückliste auf eine Ebene
  • Baugruppen werden jeweils in eigene Stücklisten ausgelagert

 

Variantenstückliste

  • Mehrere Stücklisten zusammengefasst in einem Dokument
  • Identische und ähnliche Bauteile verschiedener Objekte werden zusammen aufgeführt
  • Unterscheidung durch ein oder mehrere Attribute, mit denen die jeweiligen Bauteile gekennzeichnet werden

 

Komplexstückliste

  • Komplette Auflistung aller Varianten eines Produktes oder einer Baugruppe

 

Welche Bestandteile hat eine Stückliste?

Im Normalfall ist eine Stückliste tabellarisch aufgebaut. Das heißt sie enthält sämtliche Teile oder Baugruppen mit Mengenangaben, die für die Produktion eines Produktes notwendig sind. In der Grundform könnte eine Stückliste also folgendermaßen aussehen:

Produkt: „Stuhl“

Listenummer: 1

Erstellungsdatum: dd.mm.yyyy

Zeichnungs-Nr: 3517-01
 

Stückliste | Merkmale die eine Stückliste ausmachen | microtech.de

©microtech GmbH


Eine Stückliste besteht in der Regel aus 3 Kernelementen:

  1. Das Kopfelement mit den Daten, die sich auf die gesamte Stückliste beziehen.
  2. Die Positionen, die Angaben zu den einzelnen Bestandteilen enthalten.
  3. Die Unterpositionen, welche aufgegliedert werden, wenn Teilmengen einer Position unterschiedliche Einbauorte haben.

Zusammengefasst sind also folgende Informationen in einer Stückliste zu finden:

  • Mengen
  • Rohstoffe
  • Abmessungen
  • Gewicht
  • Auftragsdaten

sowie

  • Auftraggeber
  • Auftragsnummer
  • Auftragstermin
  • Auftragsgröße
  • Benennung

 

Wie sind die verschieden Stücklisten aufgebaut?

Mengenstückliste

Alle Bauteile in der Mengenstückliste sind nur einmal mit der Angabe der erforderlichen Gesamtmenge enthalten. Dementsprechend ist in dieser Art von Stückliste nicht zu erkennen, wie viele Gliederungsebenen die Produktstruktur enthält und welche Elemente von den Baugruppen stammen. Daher sollten bzw. können Mengenstücklisten nur bei einfachen Erzeugnissen eingesetzt werden, die maximal ein bis zwei Produktebenen enthalten.
 
Beispiel einer Mengenstückliste:

Stückliste | Darstellung einer Mengenstückliste | microtech.de

©microtech GmbH

 

Strukturstückliste

Wie der Name schon sagt, sind in einer Strukturstückliste alle Baugruppen und Einzelteile eines Erzeugnisses in strukturierter Form aufgelistet. Das heißt jede Baugruppe wird bis zu ihrer untersten Strukturebene aufgelöst. Das Besondere an der Strukturliste ist, dass durch eine eigene Spalte ersichtlich wird, zu welcher Ebene das Erzeugnis gehört. Dies hat den Vorteil, dass diese Listenart auch bei komplexeren Erzeugnissen eingesetzt werden kann, ohne die Überschicht zu verlieren.
 
Beispiel einer Strukturstückliste:

Stückliste | Darstellung einer Strukturstückliste | microtech.de

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Baukastenstückliste

Die Baukastenstückliste enthält nur die Elemente einer Baugruppe, die sich in der nächsttieferen Fertigungsstufe befindet. Das heißt, dass für jede Fertigungsstufe eine eigene Stückliste erstellt wird. Der Vorteil bei Baukastenstücklisten liegt also darin, dass im Fall einer Wiederholungsgruppe nur eine Baukastenstückliste zu führen ist. Dadurch wird der Speicheraufwand reduziert und das Änderungsmanagement vereinfacht. Aus der Baukastenstückliste lassen sich daher auch Mengen- und Strukturstücklisten herleiten.
 
Beispiel einer Baukastenstrukturliste:

Stückliste | Darstellung einer Baukastenstückliste | microtech.de

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Variantenstückliste

Der Anteil der Erzeugnisse, für die verschiedene Ausführungsmöglichkeiten von Teilbereichen existieren, hat sich in den letzten Jahren deutlich erhöht. Für Erzeugnisse, deren Herstellungsverfahren sehr komplex ist, reichen die bereits genannten Arten von Stücklisten nicht mehr aus. Obwohl ein erheblicher Anteil der Erzeugnisse identisch ist. Es wäre allerdings aus wirtschaftlichen Gründen recht unproduktiv, für jede Variante eine eigene Stückliste zu erstellen. Genau um dieser Problematik entgegenzuwirken, sind die Variantenstücklisten entwickelt worden. Die bilden in jeder Spalte genau die Variante ab, deren Erzeugnisse beschrieben werden sowie welche Elemente in welcher Menge in dieser Variante verarbeitet werden.
 
Beispiel einer Variantenstückliste:

Stückliste | Darstellung einer Variantenstückliste | microtech.de

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Anleitung: Stückliste richtig anwenden!

Als produzierender Betrieb ist es kaum vorstellbar, ohne Stücklisten zu arbeiten. Um das Optimum aus den Stücklisten herauszuholen, ist eine softwaregestützte Lösung daher am besten geeignet. Aber auch hier gilt es, die richtige Vorgehensweise einzuhalten. Wie das geht, werde ich Ihnen in fünf Schritten zeigen:
 

Einzelteile bestimmen

Die Grundlage jeder Stückliste bilden die Einzelteile oder die Rohstoffe, welche Bestandteile des zu produzierenden Erzeugnisses sind. Daher müssen diese als Erstes erfasst und sämtliche Teile in der Software angelegt werden. Diese sollten vollständigkeitshalber mit allen relevanten Informationen (Menge, Preis, Abmessungen usw.) ausgestattet werden.
 

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Stücklistenart definieren

Um die Stücklistenart zu bestimmen, kommt es vor allem auf die Komplexität des zu produzierenden Produktes an. Das heißt, wenn das Produkt nur wenige Komponenten hat, reicht eine einfache Mengenstückliste vollkommen aus. Muss aber zur Produktion beispielsweise auf mehrere Baugruppen zurückgegriffen werden, empfiehlt sich hier die Baukastenstückliste. Und ist Ihr Produkt zudem noch sehr variantenreich, sollten Sie die Variantenstückliste bevorzugen.
 

Form festlegen

Eine Stückliste muss eine einheitliche Form aufweisen, damit sie für alle Benutzer ersichtlich ist. Legen Sie daher zunächst die Kopfdaten wie Stücklistennummer, Erstellungsdatum, Listennummer usw. fest. Als nächstes folgt der richtige Aufbau der Spalten. Dazu sollte die Anordnung der Spalten klar definiert sein. Einzelteile mit Materialnummer und Mengeneinheit müssen in jedem Fall enthalten sein. Zusätzlich können allerdings je nach Aufgabengebiet weitere Spalten von Vorteil sein. Diese könnten zum Beispiel folgende Inhalte enthalten:

  • Lager bzw. Standort des Materials
  • Einkaufspreis und Bezugsquelle
  • Aktueller Status
  • Beschaffungsschlüssel (Eigenfertigung, Eigenfertigung ohne Lagerung oder Fremdbezug?)
  • Daten aus der Buchhaltung

 

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Verteiler festlegen

Da Stücklisten sehr vielseitig sind, können diese in vielen Bereichen eines Unternehmens eingesetzt werden. Daher sollte der Ersteller der Stückliste sich schon im Vorfeld Gedanken machen, welche Abteilungen im Folgenden mit der Stückliste arbeiten, um dies bei der Spaltenerstellung zu berücksichtigen. Gängige Anwendungsfälle wären zum Beispiel in der Absatzplanung, Produktionsplanung oder dem Einkauf.
 

Updates nicht vergessen

Regelmäßige Updates spielen auch bei Stücklisten eine Rolle. Gerade wenn es Nachfolgemodelle von den Einzelteilen gibt, ist es wichtig, diese auch in den Stücklisten zu aktualisieren. Eine moderne ERP-Software hält die Stücklisten ohne weiteren Aufwand up to date. Wird diese Funktion allerdings nicht von Ihrem ERP-System unterstützt, müssen alle Stücklisten händisch aktualisiert werden.
 

Welche Fehler können bei Stücklisten entstehen?

Eine qualitativ hochwertig erstellte Stückliste beeinflusst maßgeblich die Geschwindigkeit, mit der ein Auftrag der Produktion abgeschlossen wird . Oft treten aber immer wieder die gleichen Fehler auf, die den Prozess der Produktion behindern. Zu diesen zählt eine ungenaue Beschreibung der Bauteile, die zu Klärungsbedarf mit dem Ersteller der Liste und den beteiligten Mitarbeitern führt. Fehler bei den Mengenangaben sind auch nicht selten und können schwerwiegende Folgen mit sich ziehen, die zum Produktionsstillstand führen können, falls benötigte Teile oder Rohstoffe fehlen. Diese Fehler sind auch teilweise auf veraltete Stücklisten zurückzuführen. Daher sollte bei manueller Erstellung und Wartung von Stücklisten mit äußerster Sorgfalt gearbeitet werden.
 

Stücklistenvorlage zum Download

Falls Sie noch kein ERP-System im Einsatz haben, welches Sie bei der Erstellung und Wartung der Stücklisten unterstützt, finden Sie in hier eine Vorlage im Excel-Format zur Erstellung einer einfachen Mengenstückliste.
Stückliste | Vorlage einer Mengenstückliste im Excelformat | microtech.de
 

Fazit

Wie man sieht, kann mit Stücklisten weit mehr vollbracht werden als eine einfache Auflistung von Artikeln, Mengen und Teilen. Stücklisten bilden somit eine wichtige Grundlage für einen ordnungsgemäßen Produktionsablauf. Der Vorteil der Stückliste liegt vor allem – wenn richtig umgesetzt – in der gemeinsamen Datenbasis, da trotz individueller Sichtbarkeit der jeweiligen Abteilung eine einheitliche Datenstruktur vorliegt. Um das Potenzial von Stücklisten also voll auszuschöpfen, bietet sich daher die Nutzung einer IT-gestützten Lösung an, welche in etwa bei modernen ERP-Systemen vorzufinden ist. In der Regel ist die Erstellung und Pflege von Stücklisten dann ein Kinderspiel, das sich vor allem in fehlerfreien Abläufen bei sinkendem Ressourcenbedarf bei gleichzeitig steigender Qualität wiederspiegelt.

 

 

 
 
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