Amazon Business – Was ist das und wer hat einen Nutzen davon?

Von: Annika Süß |
Datum: 09.11.2018

Amazon Business: Nützliches Werkzeug oder doch nur Spielerei?

So kennt beinahe jeder den Online-Händler Amazon: Ein riesiges Angebot, stets nur einen Klick entfernt. Alles fing vor über 20 Jahren mit einem elektronischen Bücherlieferdienst an.

Amazon Business - Nützlich oder nicht?
Amazon Business – Nützlich oder nicht?

Seitdem ist viel passiert und Amazon so etwas wie ein Universalanbieter für alle möglichen Konsumartikel geworden. Kunden aus aller Welt schätzen neben der umfassenden Produktauswahl vor allem die gut ausgebaute Infrastruktur und ständige Verfügbarkeit. Vor fast drei Jahren machte sich der Internet-Gigant seine Erfahrungen mit Endverbrauchern zunutze und drang mit Amazon Business schließlich auch in das Segment der Selbständigen und B2B-Beziehungen vor. Dieses neue Produkt verspricht besondere Vorteile für Unternehmen und Unternehmer, darunter beispielsweise kostenloser Versand bei Bestellungen ab 29 Euro Bestellwert, Kauf auf Rechnung oder Preise und Rechnungen mit ausgewiesener Umsatzsteuer. Hat die Unternehmenswelt also genau darauf gewartet? Bringt Amazon Business Vorteile für das eigene Unternehmen oder reicht der bisherige Amazon-Account vollkommen aus? Und was wird Amazon Business kosten?

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Steigende Gewinne – stockendes Wachstum 

Wieder einmal hat es Amazon geschafft: Mit einem Gewinn von 2,9 Milliarden US-Dollar im dritten Quartal 2018 konnte der Konzern die Erwartungen der Analysten übertreffen. Doch die Freude darüber ist getrübt, denn obwohl die Gewinne nach oben gingen, hielten sie den Verkaufsumsätzen nicht stand. Dessen Wachstum blieb mit 29 Prozent hinter den Erwartungen zurück und viele Anleger straften dies gleich mit einer Trennung vom Papier ab. Die Folge war ein Kurseinbruch von sieben Prozent.

Amazon Business - Vorteile
Amazon Business – Vorteile

Hier setzt sich ein Trend fort, der bereits seit einiger Zeit zu beobachten ist. Die Wachstumsraten des E-Commerce gehen zurück, was gerade Amazon sehr deutlich zu spüren bekommt, dessen Kerngeschäft nach wie vor in diesem Segment beheimatet ist und nun der Sättigungsgrenze näher zu kommen scheint. Zeit also, zu reagieren. Der Internet-Riese versucht dies unter anderem durch Verschlankung vorhandener Strukturen, indem die Infrastruktur aus Logistikzentren und Serverfarmen effizienter organisiert werden und vorhandenes Personal zulasten von Neueinstellungen umverteilt wird.

Auf zu neuen Ufern – welche Funktionen und Kosten bringt Amazons Businessangebot mit? 

Doch nicht nur eine Umstrukturierung sollen die Wachstumszahlen verbessern. Auch neue Geschäftsfelder werden erschlossen. Neben dem wachsenden Cloud- und Werbeangebot ist dies auch das B2B-Segment. Hier richtet sich Amazon mit einem Business-Produkt nicht mehr an Privatkunden, sondern spricht mit Amazon Business nun auch Geschäftskunden gesondert an. In den USA ist der Business-Zugang bereits seit 2015 auf dem Markt und wurde ein knappes Jahr später auch in Deutschland freigegeben. Der Service besteht in einem Account speziell für Firmen und stellt dafür neue Funktionen zur Verfügung, die direkt auf Unternehmen und Selbstständige zugeschnitten sind. Neben den einleitend bereits erwähnten obligatorischen Features wie Rechnungskauf, Anzeige von Netto-Preisen / Preisanzeige mit ausgewiesener Mehrwertsteuer umfasst dies auch Firmenkonten mit Mehrfach-Nutzung. Über ein gemeinsames Konto können Firmenteams so denselben Zugang verwenden. Zudem lässt sich gängige Einkaufssoftware an den Amazon-Zugang anbinden und vorhandene Accounts können in Business-Accounts umgewandelt werden.

Die Produktvielfalt von Amazon Business

Geschäftskunden werden nach dem Login auf Amazon Business in einer übersichtlichen Anzeige über Angebote unterschiedlicher Amazon-Händler bezüglich Preis, Verfügbarkeit und Lieferzeiten informiert und können unterschiedliche Preise einfach vergleichen, da die Produktseite mehrere Angebote anzeigt. Ebenso lassen sich für Angebote Mengenrabatte für Unternehmen ab bestimmten Einkaufsmengen einrichten. Das Angebot für Amazon Business-Kunden scheint dabei in seiner Breite und Vielfältigkeit keine Wünsche offen zu lassen. Mehr als hundert Millionen Produkte bietet das Sortiment, von Laptops, über Bürozubehör und Einrichtung bis hin zu Reinigungsgeräten ist alles dabei und kann vor dem Kauf ausführlich auf den Produktseiten begutachtet werden. Hier werden Bilder, Abmessungen der Produkte, Gebrauchsanweisungen und Videoanleitungen der Hersteller geboten. Einige dieser Produkte stehen exklusiv Geschäftskunden zur Verfügung.

Amazon Business – Was kostet der Spaß?

Was neben den Funktionen und der Angebotspalette natürlich am meisten interessiert, ist das liebe Geld. Was soll Amazon Business kosten und lohnt sich die Investition überhaupt? Hier gibt es eine gute Nachricht, denn bei der Einrichtung eines neuen oder Übertragung eines vorhandenen Accounts, läuft alles wie gewohnt: Der Account selbst ist kostenlos, Kosten fallen nur für eingestellte Artikel an. Dabei wird zwischen einem Basiskonto und dem Professional Account unterschieden. Beim Basiskonto werden pro angebotenem Artikel 0,99 Euro Gebühr fällig. Nutzer eines Professional Accounts zahlen hingegen eine monatliche Pauschale von 39 Euro. Unter Umständen kommen noch kategoriebezogene Verkaufsgebühren hinzu. Für den ebenfalls von Amazon bereitgestellten Versand gelten dieselben Gebühren wie für gewerbliche Bestellungen.

Wie bereits erwähnt, können Unternehmen im Amazons Business-Angebot mehrere Nutzer in einem Konto zusammenfassen. Die Kontonutzung kann über den Menüpunkt „Unternehmenskonto verwalten“ und dann „Person hinzufügen“ bequem erweitert werden. So kann nicht nur ein ganzes Team einen einzigen Account nutzen, sondern es lassen sich auf diese Weise auch organisatorische Strukturen der Firma direkt im Account abbilden, indem Einkaufsgruppen passend zu Abteilungen erstellt werden können. Damit erhält man zudem eine bessere Übersicht über die eigenen Ausgaben. Dies wird erweitert durch die Möglichkeit, Ausgaben mit Hilfe von Filtern, Tabellen und dynamischen Diagrammen analysieren zu können. Diese Instrumente finden sich im Menü „Beschaffungsanalysen“. Zusätzlich lassen sich Bestellungen durch Vergabe von Auftragsnummern, Bestellgenehmigungen und Zahlungslimits individuell anpassen, verwalten und kontrollieren.

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Der Service – ist der Business-Kunde bei Amazon König? 

Für den Einkauf unterstützt der Business-Zugang eine Vielzahl unterschiedlicher Einkaufssysteme, ERP– oder eProcurement-Lösungen und bietet für Unternehmenskunden sogar eine Beratung für die Integration individueller Lösungen an, durch die es möglich wird, im Betrieb eingesetzte Warenwirtschaftssysteme automatisch mit Amazon zu verbinden. Dies kann notwendig werden, da die mit Amazon ausgetauschte Datenmenge schnell sehr umfangreich werden kann. Das Service-Angebot wird schließlich mit einem Sechs-Tage-Telefonservice abgerundet, etwas, wovon der Endkunde oft nur träumen kann.

Amazon Business - Nachteile
Amazon Business – Nachteile

Weitere, wenn auch ausbaufähige Unterstützung erfährt der Businesskunde in Bezug auf ausländische Märkte. Normalerweise stellt der Auslandskontakt ohne besondere Beziehungen und Netzwerke für Selbstständige und kleinere Unternehmen eine nur schwer überwindliche Hürde da. Durch den Zugriff auf die globale Infrastruktur von Amazon kann der Kontakt zu internationalen Märkten dennoch gelingen. Hier gilt es aber, auf die jeweiligen Gesetzeslagen zu achten. Die zu diesem Zwecke angebotenen Kurzvideos können selbstverständlich keine verbindliche Rechtsberatung leisten. Sie sind kurz gehalten und die Informationslinks sind nicht immer brauchbar. Hier stellt sich ernsthaft die Frage, ob Amazon Business Nachteile für Geschäftskunden durch mangelhafte Aufklärung in Kauf nimmt, um keine Verantwortung übernehmen zu müssen.

Bringt Amazon Business Vorteile für Unternehmen? 

Mit Amazons Business scheinen nun auch Kleinunternehmer, Selbständige und der Mittelstand voll in der digitalen Einkaufswelt von heute angekommen zu sein. Die infrastrukturelle Bedeutung der Plattformen von Amazon, Google und Facebook wird sicher in den kommenden Jahren noch weiter zunehmen, gleichzeitig ist aber, abseits der gigantischen Umsätze der Konzerne, der Mittelstand nach wie vor die tragende Säule der Wirtschaft. Da den großen Plattformen aber nicht mehr zu entkommen ist, es wird in der Fachwelt nicht umsonst bereits vom sogenannten Plattformkapitalismus gesprochen, ist es auch für Selbstständige, kleinere Unternehmen und Mittelständler notwendig auf diesen Zug aufzuspringen. Als Stärken von Amazon Business sind Funktionen wie das Vergeben von Auftragsnummern, ein solider Werkzeugkasten von Ausgabenanalysetools, kostenloser Premiumversand, erweiterter Kundenservice, Wählbarkeit der Zahlungsart, Preise mit ausgewiesener Umsatzsteuer und die Integration von Einkaufssystemen zu erwähnen. Die Kosten fallen dabei relativ gering aus. Doch beschert Amazon Business Nachteile für Kunden im Bereich der Rechtssicherheit im Auslandshandel. Die mangelhafte Information über die Rechtslage auf internationalen Märkten kann bei unbeabsichtigtem Fehlverhalten schnell teuer und gefährlich werden. Amazon selbst übernimmt selbstverständlich an dieser Stelle keine Haftung.

 

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